Vorspiel an den Landungsbrücken

Ich hatte eine Einladung zum Date, was an sich ja für eine Escort Lady nicht so ungewöhnlich ist. Aber diesmal sollte das Vorspiel etwas anders sein. Ich sollte mir bequeme Schuhe anziehen und mich auf einen längeren Spaziergang einstimmen. 

Mein Date empfing mich im Foyer des Hotel Hafen Hamburg und nach einer kurzen aber herzlichen Begrüßung liefen wir schon los. Kurz den Ausblick von oben genießen, die steile Treppe runter und ab in die Menschenmenge. Wussten Sie, dass der Standort der Landungsbrücken, ursprünglich weit ausserhalb des Hamburger Hafens, auf das Jahr 1817 zurück geht. Damals tauchten die ersten unter englischer Flagge segelnden Dampfschiffe auf, die Staunen und Bewunderung auslösten. Die Schiffe sind heute etwas ander, aber das Staunen und die Bewunderung für diese Meisterwerke der Technik ist bis heute geblieben.

Um die Jahrhundertwende herrschte hier lebhafter Verkehr. Sowohl die großen Schiffartslinien wie auch der Nah- und Seebäderverkehr wurde hier abgefertigt. So wurde 1907-09 ein 200m langes Empfangsgebäude errichtet, die Landungsbrücken, eine Art Schiffsbahnhof nach den Plänen der Architekten Ludwig Rabe und Otto Wöhlecke. An seinem Turm wird der Wasserstand angezeigt. Die heutige 420m lange Pontonbrücke entstand 1955.

Am Ende dieses Gebäudes befindet sich der Alte Elbtunnel. Was für ein Spaß, den Fahrstuhl stehen zu lassen, aber die Treppen der Wand entlang zu Fuß zu laufen! Man spürt die Größe dieses Bauwerkes und, als er 1911 eröffnet wurde, war das eine technische Sensation. Heute ist er der "Alte Elbtunnel", da sein jungerer Bruder 1975 eröffnet wurde.

Wir laufen Hand in Hand durch den Tunnel, spüren die kalte Luft und erahnen nur das Wasser hinter den dicken Wänden. Und bald haben wir wieder Sonnenlicht und einen herrlichen Ausblick um und vor uns. Die Skyline von Hamburg ist nun eine andere, als die, die man kennt. Meine seit langem zur Heimat gewordene Stand erscheint mir etwas fremd. So ist das, wenn man die Dinge nur aus einer Seite betrachtet und nicht mehr wahrnimmt, dass sie auch ganz andere Facetten haben.

Ich spüre seine warme Hand auf meinem Rücken, atme ganz tief die kühle Luft, die man am Wasser spürt, und fühle mich doch wieder heimisch. Wir genießen ein Eis, den Ausblick und fragen uns, was alles uns heute noch erwartet. Ein toller Abend wird mir auf jedenfall versprochen (das Wort wird auch gehalten :-) ). Wir verlassen Steinwerder und laufen zurück. Im Dock liegt die Aida und die Abramowitsch-Jacht fein eingehüllt - leider kein Christo-Werk. Wir laufen noch ein Stückchen über die Promenade, die irgendwann wegen Bauarbeiten plötzlich zu ende ist. Was nun? Doch wieder zurück ins Hotel, aber das Bett kann warten. Ganz oben, im 12. Stock wärmen wir uns auf mit einem köstlichem Drink, bevor es paar Stockwerke tiefer geht. Er nimmt meine Hand, ich spüre seinen Blick und dann seinen Atem an meinem Hals - ich frage mich, wann sind wir endlich alleine? Und dann sind wir es. Das Vorspiel ist zu Ende.